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Dem Etagenwechsel vorbeugen

Alarmierende Zahlen zum Heuschnupfen

Die Spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt, kann zu einer deutlichen Symptomreduzierung bei Heuschnupfen führen und zudem gefährliche Folgeerkrankungen wie Asthma bronchiale wirksam verhindern. Aktuelle Zahlen der AOK Hessen belegen jedoch, dass sie insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viel zu selten zum Einsatz kommt. Offenbach, Wiesbaden und Groß-Gerau sind hier die hessenweiten Schlusslichter.

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In Hessen erhielten 2017 nur 8,87 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, die unter Heuschnupfen litten, eine Spezifische Immuntherapie (SIT). Zum Vergleich: 2012 lag der Wert noch bei 9,61 Prozent. Bundesweit fällt die Quote mit 11,31 Prozent zwar etwas höher aus, ist aus Sicht der AOK Hessen aber dennoch mehr als unbefriedigend: „Anzeichen einer Allergie sollten immer bei der Ärztin oder dem Arzt angesprochen und die Möglichkeit einer Immuntherapie in der Praxis aktiv nachgefragt werden“ sagt Dr. Angela Smith, die Leiterin des medizinischen Kompetenzzentrums der AOK Hessen. Viele kennen die Immuntherapie unter dem Namen Hyposensibilisierung. Dabei wird der Körper Stück für Stück an die entsprechenden Allergene gewöhnt, so dass danach keine oder weniger Symptome auftreten. „Das ist die einzige wirksame Möglichkeit, eine Allergie in den Griff zu bekommen. Je früher eine solche Therapie eingeleitet wird, desto eher werden Folgeschäden vermieden. Deshalb ist es besonders für Eltern wichtig, diese Frage genau zu prüfen und gemeinsam mit der behandelnden Ärztin über die Einleitung einer Immuntherapie zu sprechen“, betont Smith.

Niedrige Quote in Offenbach

Besonders niedrige SIT-Quoten bei Kindern und Jugendlichen gab es 2017 in Offenbach (5 Prozent), Wiesbaden (6,9 Prozent) und im Kreis Groß-Gerau (7 Prozent). Spitzenreiter im selben Jahr waren die Landkreise Waldeck- Frankenberg (14,3 Prozent), Schwalm-Eder (14,1 Prozent) und Rheingau- Taunus (14,0 Prozent). Je ländlicher, desto mehr Immuntherapien? Angela Smith bestätigt diesen Eindruck nicht: „Im Vogelsbergkreis sind es nur 7,5 Prozent, in Darmstadt dagegen fast 11. Ich denke, wir sprechen hier eher von Zufallsbefunden.“ Wichtig sei aber auf jeden Fall, die Möglichkeit einer SIT genau zu prüfen. Tränenden Augen, eine laufende Nase und explosive Nie- sattacken sind nämlich häufig nicht die einzigen Folgen einer Überempfind- lichkeit gegen bestimmte Pollen: „Eine unbehandelte allergische Rhinitis kann im Laufe der Jahre zu Asthma bronchiale führen“, sagt Angela Smith und fügt hinzu: „Man nennt das Etagenwechsel, weil die Symptome von der Nase und den Augen in die Lunge wandern.“