AOK

Individuelle Gesundheitsleistungen

Patienten sollten kritisch nachfragen

Ärzte schlüpfen in Deutschland immer häufiger in die Rolle von Verkäufern: Fast jedem zweiten gesetzlich versicherten Patienten (48 Prozent) haben niedergelassene Ärzte in den vergangenen Jahren eine sogenannte „Individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) angeboten oder in Rechnung gestellt. Das zeigt eine repräsentative Versichertenbefragung des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der Krankenkassen. Daher rät die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse den Versicherten zu kritischer Nachfrage, bevor sie eine privat zu zahlende Zusatzleistung in Anspruch nehmen.

In der Mehrheit (96 Prozent) der durchgeführten IGeL ging die Initiative vom Arzt aus. Die Patienten selbst fragen am häufigsten reisemedizinische Versorgung (57 Prozent) an.

Gut zu wissen: Was sind IGeL?

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IGeL sind ärztliche Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden und Serviceleistungen, die medizinisch nicht notwendig sind und deshalb nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Die Versicherten müssen sie daher privat bezahlen. Die Angebote reichen von zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen über Reisemedizin und Naturheilverfahren bis hin zu Anti-Aging-Angeboten.

Vor allem Augenärzte, Gynäkologen und Hautärzte weisen ihre Patienten auf IGeL hin. Am häufigsten bieten Mediziner zusätzliche gynäkologische Ultraschalluntersuchungen (31 % – Eierstöcke 19 %, Brust 12 %) an, gefolgt von Glaukomvorsorgeuntersuchungen, bei denen der Augeninnendruck gemessen und der Sehnerv überprüft werden (22 %), sowie von zusätzlichen Blut- und Laboruntersuchungen (16 % – PSA-Test 7%, HPV-Test 4%, weitere Blutuntersuchungen 5%).

Ärzte müssen ihre Patienten über Nutzen, Risiken und die Zuverlässigkeit der zusätzlichen Leistung aufklären. Der Umfrage zufolge sind rund 65 Prozent der Befragten mit der Aufklärung durch den Arzt zufrieden.

Tipps für Patienten – die AOK rät zu Folgendem:

  • Klären Sie, warum Sie die Behandlung oder Untersuchung selbst bezahlen sollen. Gesetzlich Versicherte können sich auch an ihre Krankenkasse wenden und nachfragen, ob die Leistung nicht doch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.
  • Lassen Sie sich von Ihrem Arzt ausführlich über Nutzen und Risiken aufklären.
  • Bestehen Sie auf eine ausreichende Bedenkzeit. Das Beratungsgespräch und die Behandlung sollten an verschiedenen Terminen stattfinden.
  • Vor der Untersuchung muss ein schriftlicher Behandlungsvertrag geschlossen werden. Darin sollten jede einzelne Leistung und die voraussichtliche Honorarhöhe genannt werden. Außerdem müssen Sie zustimmen, dass die Behandlung ausdrücklich auf ihren eigenen Wunsch erfolgt.
  • Nach der Behandlung sollten Sie eine Rechnung erhalten, in der die einzelnen Leistungen aufgelistet sind. Pauschale Honorare sind genauso unzulässig wie Barzahlungen ohne Beleg.