AOKGesundheit

Neue Umfrage zu Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)

Patientinnen und Patienten sollten kritisch nachfragen

Ärzte schlüpfen in Deutschland immer häufiger in die Rolle von Verkäufern: Mehr als ein Viertel der gesetzlich versicherten Patienten (29 Prozent) haben niedergelassene Ärzte in den vergangenen Jahren eine sogenannte „Individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) angeboten oder in Rechnung gestellt. Das zeigt eine repräsentative Versichertenbefragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK – kurz WIdO. Daher rät die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland den Versicherten zu kritischer Nachfrage, bevor eine privat zu zahlende Zusatzleistung in Anspruch genommen wird.

Anzeige

In der Mehrheit der durchgeführten IGeL ging die Initiative durch den behandelnden Arzt (58,0 Prozent) oder dessen Praxispersonal (31,4 Prozent) aus. Am häufigsten fragten die Versicherten von sich aus – neben kosmetischen Behandlungen (71,4 Prozent) – nach speziellen Blut- und Laboruntersuchungen (40,5 Prozent).

Gut zu wissen: Was sind IGeL?

IGeL sind ärztliche Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden und Serviceleistungen, die medizinisch nicht notwendig sind und deshalb nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Die Versicherten müssen sie daher privat bezahlen. Die Angebote reichen von zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen über Reisemedizin und Naturheilverfahren bis hin zu Anti-Aging-Angeboten.

Vor allem Augenärzte und Gynäkologen weisen ihre Patienten auf IGeL hin. Am häufigsten bieten Mediziner zusätzliche Ultraschalluntersuchungen (27 Prozent) an, gefolgt von Glaukomvorsorgeuntersuchungen, bei denen der Augeninnendruck gemessen und der Sehnerv überprüft werden (18 Prozent), sowie von zusätzlichen Blut- und Laboruntersuchungen (15,5 Prozent – PSA-Test 4,5 Prozent, weitere Blutuntersuchungen 11 Prozent).

Ärzte müssen ihre Patienten über Nutzen, Risiken und die Zuverlässigkeit der zusätzlichen Leistung aufklären. Die aktuelle Umfrage zeigt, dass nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Versicherten der Meinung ist, dass ihnen der Arzt den Nutzen der jeweils angebotenen oder nachgefragten Leistung „gut“ oder „sehr gut“ erklärt hat (54,9 Prozent).

Tipps für Patienten – die AOK rät zu Folgendem:

  • Klären Sie, warum Sie die Behandlung oder Untersuchung selbst bezahlen sollen. Gesetzlich Versicherte können sich auch an ihre Krankenkasse wenden und nachfragen, ob die Leistung nicht doch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.
  • Lassen Sie sich von Ihrem Arzt ausführlich über Nutzen und Risiken aufklären.
  • Bestehen Sie auf eine ausreichende Bedenkzeit. Das Beratungsgespräch und die Behandlung sollten an verschiedenen Terminen stattfinden.
  • Vor jeder Untersuchung muss ein schriftlicher Behandlungsvertrag geschlossen werden. Darin sollte jede einzelne Leistung sowie die voraussichtliche Honorarhöhe genannt werden. Außerdem müssen Sie zustimmen, dass die Behandlung ausdrücklich auf ihren eigenen Wunsch erfolgt.
  • Nach der Behandlung sollten Sie eine Rechnung erhalten, in der die einzelnen Leistungen aufgelistet sind. Pauschale Honorare sind genauso unzulässig wie Barzahlungen ohne Beleg.