GKV-Spitzenverband

Prävention gesamtgesellschaftlich stärken


Bei den Gesundheitsausgaben belegt Deutschland den europäischen Spitzenplatz, doch bei der Lebenserwartung reicht es nur fürs Mittelfeld. Gesundheitsförderung und Prävention müssen daher in allen gesellschaftlichen Bereichen einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Das fordert der Verwaltungsrat des
GKV-Spitzenverbandes, der dazu ein Positionspapier mit zehn Forderungen für eine erfolgreiche Prävention beschlossen hat.

Der Verwaltungsratsvorsitzende und Versichertenvertreter Uwe Klemens betont die Potenziale, die im Bereich der Prävention liegen: „Gesundheitsförderung und Prävention sind wirksame Hebel, um die Gesundheit der Menschen und zugleich die Zukunftsfähigkeit unseres Sozialversicherungssystems zu erhalten. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die es den Menschen so einfach wie möglich machen, sich im Alltag gesundheitsförderlich zu verhalten – also da, wo sie leben und arbeiten. Kosteneffektive und machbare Maßnahmen zur Reduzierung von zentralen Risikofaktoren wie Rauchen und Alkoholkonsum sowie zur Förderung von gesunder Ernährung und mehr Bewegung gibt es. Die Politik muss nur endlich die Durchsetzungskraft aufbringen, die notwendigen Entscheidungen zu treffen.“

Dr. Susanne Wagenmann, Verwaltungsratsvorsitzende und Arbeitgebervertreterin, bekräftigt, dass es sich beim Schaffen gesundheitsförderlicher Rahmenbedingungen um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt: „Die Kranken- und Pflegekassen bauen ihre präventiven Leistungen kontinuierlich und zielgerichtet aus. Das volle Potenzial dieses Engagements und bevölkerungsweite Gesundheitseffekte können wir allerdings nur realisieren, wenn alle Kräfte gebündelt werden und die gesundheitliche Eigenverantwortung der Versicherten gestärkt wird. Wir brauchen dringend eine Reform des Präventionsgesetzes, die dafür sorgt, dass alle in der Verantwortung stehenden gesellschaftlichen Akteure verbindliche – auch finanzielle – Beiträge leisten, insbesondere Bund, Länder und Kommunen. Ein neues Präventionsgesetz, das weiterhin nur die Kranken- und Pflegeversicherung finanziell in die Verantwortung nähme, würden wir daher ablehnen.“  Zehn Forderungen für erfolgreiche Prävention: „Health in all Policies” auf allen föderalen Ebenen als Standard etablieren Konsequente Prüfung der gesundheitlichen Auswirkungen von politischen Vorhaben, insbesondere von Gesetzesänderungen (Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen) Präventionsstrukturen reformieren und finanzieren
Um bevölkerungsweite Gesundheitseffekte erzielen zu können: Regelung, dass alle Akteure, von denen der Erfolg der nationalen Präventionsstrategie maßgeblich abhängt, verbindliche – auch finanzielle – Beiträge leisten, insbesondere Bund, Länder, Kommunen Bedingungen schaffen, die einen gesundheitsförderlichen Lebensstil erleichtern
Potenziale struktureller und insbesondere auch gesetzgeberischer Maßnahmen stärker nutzen und dabei die evidenzbasierten und kosteneffektiven Maßnahmen der WHO („best buys„) zur Reduktion von gefährdendem Tabak- und Alkoholkonsum, ungesunder Ernährung sowie physischer Inaktivität durchführen Präventionsangebote sichtbar, unbürokratisch und leicht zugänglich machen
Aufbau einer digitalen Transparenzplattform aus Bundesmitteln, die regional verfügbare Gesundheitsförderungs- und Präventionsangebote aller Träger sichtbar und zugänglich macht Kinder- und Jugendgesundheit priorisieren
Gesundheits- und Lebenskompetenz stärker in die Rahmenpläne der Kitas und Lehrpläne der Schulen integrieren, digitale Mediennutzung an Schulen einheitlich regeln sowie nationale Empfehlungen zur Bildschirmzeit für Kinder und Jugendliche entwickeln Psychischen Erkrankungen, Einsamkeit und Suizidalität entgegenwirken
Aus Steuermitteln finanzierte Gesundheitskampagnen, u. a. zur Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen, Einsamkeit und Suizidalität Mit Impfungen wirksam die Gesundheit schützen
Adressatengerechte Kommunikation, um Impfquoten zu erhöhen und um Desinformation sowie Impfskepsis zu begegnen, sowie prioritäre Einführung eines elektronischen Impfpasses und Integration in die elektronische Patientenakte (ePA) Früherkennungsuntersuchungen evidenzbasiert weiterentwickeln
Neue Früherkennungsuntersuchungen nur auf Basis verlässlicher Evidenz einführen, die einen klaren Patientennutzen bestätigt, und digitale Unterstützungssysteme nutzen, um das Wissen über die Möglichkeiten von Früherkennungsuntersuchungen und eine gezielte Ansprache vulnerabler Bevölkerungsgruppen zu verbessern (z. B. Erinnerungsfunktionen über ePA) Personalisierte Prävention mit individuellen Gesundheitsdaten ermöglichen
Kranken- und Pflegekassen müssen Routinedaten nutzen dürfen, um sowohl Versorgungs- als auch Präventionsangebote individuell ausrichten und ihren Versicherten individualisierte Handlungsoptionen aufzeigen zu können Prävention von und bei Pflegebedürftigkeit stärken
Förderprogramme zum altersgerechten und barrierefreien Wohnen sind auszubauen. Dabei sind nicht nur bauliche Erfordernisse, sondern auch soziale Aspekte zu berücksichtigen, etwa die Förderung nachbarschaftlicher Netzwerke und sozialer Beziehungen
Die Pressemitteilung und das Positionspapier finden Sie hier:
www.gkv-spitzenverband.de
Pressekontakt Florian Lanz, Claudia Widmaier, Janka Hegemeister,
Jens Ofiera    Telefon 030 206288-4201 presse@gkv-spitzenverband.de
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Der GKV-Spitzenverband mit Sitz in Berlin ist der Verband aller gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen. Als solcher gestaltet er den Rahmen für die gesundheitliche Versorgung in Deutschland; er vertritt die Kranken- und Pflegekassen und damit auch die Interessen der rund 75 Millionen Versicherten und Beitragszahlenden auf Bundesebene gegenüber der Politik und gegenüber Leistungserbringenden wie der Ärzte- und Apothekerschaft oder Krankenhäusern. Der GKV-Spitzenverband übernimmt alle nicht wettbewerblichen Aufgaben in der Kranken- und Pflegeversicherung auf Bundesebene. Der GKV-Spitzenverband ist der Spitzenverband Bund der Krankenkassen gemäß § 217a SGB V.