Die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen erreichen mit datengestützten Präventionsmaßnahmen immer mehr Versicherte – mit messbarem Erfolg: Bislang wurden rund 1,5 Millionen Menschen gezielt auf individuelle Gesundheitsrisiken wie fehlende Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen hingewiesen. Etwa 110.000 von ihnen nahmen daraufhin konkrete Versorgungsangebote in Anspruch. Nur rund 17.600 Personen widersprachen der Datennutzung – das entspricht weniger als 0,4 Promille der Versicherten der Kassen mit entsprechenden Datenauswertungsprojekten. Grundlage dafür ist eine Maßnahme des Gesundheitsdatennutzungsgesetzes aus dem Jahr 2024. Sie ermöglicht es den Kranken- und Pflegekassen, vorliegende Versichertendaten gezielt auszuwerten, um Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und Versicherte individuell aktiv anzusprechen. Die Teilnahme an entsprechenden Angeboten bleibt freiwillig und es besteht jederzeit ein Widerspruchsrecht gegen die Datennutzung. „Die Zahlen zeigen, dass datengestützte Prävention wirkt. Die Ansprache der Versicherten auf Grundlage ihrer individuellen Daten erreicht die Versicherten frühzeitig und trägt konkret zu einer besseren Versorgung bei. Wenn wir vorhandene Daten verantwortungsvoll nutzen, können frühzeitige Hinweise im besten Fall dazu führen, sogar schwerwiegende Krankheitsverläufe zu vermeiden“, sagt Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. Konkrete Effekte für Prävention und Früherkennung Der Schwerpunkt der bisher 27 umgesetzten Datenauswertungsmaßnahmen von 15 Kranken- und Pflegekassen liegt auf Prävention und Früherkennung. Besonders erfolgreich sind Hinweise auf ausstehende Impfungen: Rund 1,3 Millionen Versicherte wurden zu Impfungen angesprochen. Für die bereits auswertbaren Impfmaßnahmen mit 1,1 Millionen Versichertenkontakten ergab sich, dass circa 10 Prozent der Versicherten die empfohlene Impfung auch in Anspruch nahmen. Die Versicherten wurden hier u. a. über entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission individuell angezeigte HPV-, Pneumokokken- und Herpes-Zoster-Impfungen sowie Impfindikationen bei chronischen Erkrankungen informiert. Auch etwa in der Krebsfrüherkennung zeigen sich deutliche Effekte: Rund 90.000 Versicherte mit Risikofaktoren wurden mit Hinweisen auf die Vorsorge kontaktiert. Bei einem Projekt, das Versicherte nach bereits erfolgten Koloskopien auf Nachkontrollen aufmerksam macht, nahmen 27 Prozent der Kontaktierten eine Darmkrebsberatung wahr und ließen 7 Prozent eine Vorsorgekoloskopie durchführen. Schnellere Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit Ein weiteres wichtiges Ziel ist die frühere Erkennung eines noch nicht festgestellten Pflegebedarfs bei Personen, die zwar Hilfe benötigen, aber beispielsweise noch nicht wissen, dass ihnen Pflegeleistungen zustehen. So hat zum Beispiel eine Krankenkasse rund 8.250 ihrer Versicherten aufgrund eines entsprechenden Risikos kontaktiert. Daraufhin wurde bei 28 Prozent von ihnen nach erfolgter Beratung tatsächlich eine Pflegebedürftigkeit festgestellt. Jetzt die nächsten Schritte gehen Stefanie Stoff-Ahnis weiter: „Die im Entwurf eines Gesetzes für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen geplanten Anpassungen werden wichtige Fortschritte für die datengestützte Erkennung individueller Gesundheitsrisiken bringen. So wird es beispielsweise möglich sein, dass Versicherte ihrer Krankenkasse auf Wunsch auch Daten aus ihrer ePA für die Risikoanalyse zur Verfügung stellen können. Nach den vielversprechenden ersten Ergebnissen kommt es nun darauf an, die Rechtsgrundlage weiterzuentwickeln und noch praxistauglicher auszugestalten. Dafür müssen bürokratische Hürden weiter abgebaut werden, insbesondere bei Anzeige- und Formvorgaben für die Krankenkassen. Es braucht mehr Flexibilität bei der Ausgestaltung des Versichertenkontakts und einen erweiterten Blick auf relevante Erkrankungen und Risiken. Prävention muss früher ansetzen können – auch bei chronischen Erkrankungen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Gleichzeitig ist entscheidend, dass die Krankenkassen perspektivisch schneller auf Versorgungsdaten zugreifen können, um Risiken möglichst früh erkennen zu können. Damit können die Krankenkassen künftig einen zusätzlichen Impuls geben, der dann zu einer frühzeitigeren medizinischen Bewertung und ggf. Versorgung durch die Ärztinnen und Ärzte führen kann.“ |


