AOK

AOK Hessen schließt Vertrag zur gezielten Diagnostik bei krebskranken Kindern

Kooperation mit INFORM-Konsortium gewährleistet fachlich hochwertige und schnelle Tumor-Analysen

Die AOK Hessen hat mit den Trägern des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ), dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg, einen Versorgungsvertrag zur gezielten Behandlung von krebskranken Kindern mit einem Rückfall  oder einer Hochrisikoerkrankung abgeschlossen, für die keine etablierte Behandlung mehr zur Verfügung steht. Im Rahmen des Vertrages werden die Tumoren und die Keimbahn der betroffenen Kinder umfangreich molekulargenetisch untersucht, um mögliche Behandlungsoptionen zu finden.

Anzeige

„Wir schließen den Versorgungsvertrag, um den betroffenen Kindern und ihren Eltern die beste verfügbare Diagnostik und Therapieempfehlung zugänglich zu machen“, betont der Krankenhauschef der AOK Hessen, Joachim Henkel. „Es geht in diesen Fällen um Qualität und Schnelligkeit, die bei den so genannten INFORM-Analysen durch große wissenschaftliche Expertise und optimale Abläufe gewährleistet werden.“ So wird im Versorgungsvertrag unter anderem vereinbart, dass vom Eingang der Probe bis zum molekularen Tumorboard trotz der komplexen Auswertungen durchschnittlich nur 28 Tage vergehen.

Gezielte Diagnostik

Durch die gezielte Diagnostik können für Kinder, bei denen die Standardtherapien nicht mehr anschlagen, mögliche Behandlungsoptionen gefunden werden. Auf der anderen Seite können unnötige Therapien vermieden werden, für deren Wirksamkeit es keine Anhaltspunkte gibt und die oft zu unnötigen schweren Belastungen für die betroffenen Kinder führen. Zudem können Diagnosen korrigiert und Krebsprädispositionssyndrome identifiziert werden. Durch die Verbindung von Patientenversorgung und Forschung wird im INFORM-Projekt des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ) zudem die Basis für neue, zielgerichtete Behandlungen von Kindern mit Krebserkrankungen geschaffen. Prof. Dr. Olaf Witt, Direktor am KiTZ, betont ebenfalls die Bedeutung des neuen Versorgungsvertrags: „Wir sind den Verbänden der Krankenkassen für diesen Schritt sehr dankbar. Es ist eine zukunftsweisende Entscheidung, die sicherstellt, dass so viele Kinder wie möglich von einer modernen Krebsmedizin profitieren. Wir hoffen, dass sich bald weitere Kassen dazu entschließen werden, ihren Versicherten ebenfalls die INFORM-Leistungen zu ermöglichen.“

Schnelle Analysen

Jedes Jahr sind in Deutschland etwa 500 krebskranke Kinder von Rückfällen betroffen, für deren Behandlung keine etablierte Therapie mehr zur Verfügung steht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des KiTZ sind in der Genomforschung und Präzisionsbehandlung von kindlichen Tumoren international führend. Da sich Tumoren bei Kindern deutlich von denen bei Erwachsenen unterscheiden und sich die relativ wenigen Fälle auf sehr viele unterschiedliche Tumorarten verteilen, haben sich diese Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die Studiengruppen der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) im INFORM-Konsortium zusammengeschlossen und arbeiten eng mit den Kinderonkologischen Zentren in Deutschland zusammen. Hierdurch wird die Expertise gebündelt; neue Therapieansätze können wenn immer möglich in Studien untersucht werden. Im Projekt wird zudem eine schnelle Analyse der Tumoren sichergestellt.  Dies ist besonders wichtig, weil Tumore bei Kindern oft schneller wachsen und aggressiver sind als bei Erwachsenen.

Hintergrund:

Die Abkürzung INFORM steht für Individualized Treatment For Relapsed Malignancies in Childhood (Individualisierte Therapie für Rückfälle von bösartigen Tumoren bei Kindern). Aktuell sind 18 Studiengruppen und über 50 Rekrutierungszentren am INFORM-Register beteiligt. Seit 2016 wurde das Register auf weitere Länder ausgeweitet. Koordiniert wird INFORM von Wissenschaftlern des Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), einer gemeinsamen Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg, der Universität Heidelberg sowie der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH).