Neueste Auswertungen der AOK Hessen und des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen ein zweischneidiges Bild für Hessen: Während die Herzinfarktrate seit 2017 um 16 Prozent gesunken ist, droht bei den Demenzfällen bis zum Jahr 2060 ohne Gegenmaßnahmen ein Anstieg um 72 Prozent. Die Daten offenbaren ein erhebliches Gefälle zwischen städtischen Metropolen und ländlichen Regionen – zeigen aber gleichzeitig das riesige Potenzial gezielter Prävention.
Ob Herzinfarkt, Bluthochdruck, Schlaganfall oder Demenz: Die gesundheitliche Zukunft in Hessen ist stark vom Wohnort und vom Lebensstil geprägt. Während der langfristige Trend bei akuten Herzinfarkten nach unten zeigt (von 360 Fällen je 100.000 Einwohner im Jahr 2017 auf 310 im Jahr 2024), steigen Risikofaktoren wie Diabetes stetig an – von 9,7 Prozent (2017) auf 11,3 Prozent (2024) der hessischen Bevölkerung. Parallel prognostiziert das WIdO bei steigender Lebenserwartung einen Anstieg der Demenzfälle von derzeit rund 93.000 (2026) auf über 160.000 im Jahr 2060.
Enormes Gefälle zwischen Nord-/Osthessen und den Großstädten
In allen ausgewerteten Daten zeigt sich ein drastisches regionales Gefälle von Süden nach Norden bzw. von den Ballungsräumen in die ländlichen Regionen:
- Herzinfarkte: Die Raten im Werra-Meißner-Kreis (500 Fälle je 100.000 Einwohner) und im Kreis Waldeck-Frankenberg (420 je 100.000) liegen mehr als doppelt so hoch wie in den Städten Frankfurt am Main und Darmstadt (jeweils 230 je 100.000).
- Bluthochdruck & Herzinsuffizienz: Bluthochdruck betrifft im Werra-Meißner-Kreis 41,99 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, in Frankfurt lediglich 19,04 Prozent. Bei der Herzinsuffizienz führt der Kreis Hersfeld-Rotenburg die Landkarte mit 6,75 Prozent an (Frankfurt: 2,5 Prozent), ebenso beim Schlaganfall (2,56 Prozent vs. 1,15 Prozent in Frankfurt).
- Demenz-Prognose 2060: Für die Großstädte Frankfurt, Darmstadt und Offenbach prognostiziert das MikroSim-Modell für 2060 einen Anteil Dmenzkranker von 1,8 bis 1,9 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Im Vogelsbergkreis liegt die Prognose bei 3,9 Prozent, gefolgt von Waldeck-Frankenberg und dem Werra-Meißner-Kreis mit 3,7 Prozent.
Herz-Kreislauf-Schutz senkt auch das Demenzrisiko
Die Ergebnisse unterstreichen, dass Herz und Gehirn eng miteinander verknüpft sind. Bluthochdruck und Diabetes zählen zu den Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – begünstigen aber gleichzeitig den Abbau kognitiver Fähigkeiten. „Die Prognosen machen deutlich, welches enorme Potenzial in der Prävention steckt. Bereits vergleichsweise kleine Verbesserungen bei den Neuerkrankungsraten können langfristig sehr große Effekte haben“, betont Dr. Angela Smith, Leiterin des Medizinischen Kompetenz-Centers der AOK Hessen. Durch die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes, Rauchverzicht, die Versorgung von Hörstörungen sowie die Vermeidung sozialer Isolation könnte etwa die Hälfte aller Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden.
Schon 8 Minuten Bewegung senken das Risiko spürbar
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor für rund 40 Prozent aller Sterbefälle verantwortlich. Wie wirksam einfache Lebensstil-Änderungen sind, unterstreicht AOK-Arzt Dr. Christoph Stein: Neben Rauchverzicht und einer vollwertigen, pflanzenbetonten Ernährung reicht bereits geringe körperliche Aktivität im Alltag: „Schon tägliche kurze Spaziergänge, bei denen man für sieben bis acht Minuten zügig geht, senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 20 Prozent.“
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