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„Eher eine Erkrankung der Städte“

AOK Hessen: Aktuelle Syphilis-Zahlen zeichnen differenziertes Bild / Mehr Männer als Frauen betroffen

Die sexuell übertragbare Infektionskrankheit Syphilis ist auch in Hessen eher ein Phänomen der größeren Städte. Darauf weist die AOK Hessen hin, macht jedoch gleichzeitig deutlich: Sexuell übertragbare Krankheiten haben es – unabhängig von Stadt oder Land – immer dann leichter, wenn Menschen bei sexuellen Kontakten Schutzmaßnahmen vernachlässigen.

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Syphilis kann eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen und verläuft oft zyklisch – das heißt, symptomatische und beschwerdefreie Phasen wechseln sich ab. Ungefähr die Hälfte der Infektionen verläuft sogar ganz ohne Symptome. Die Erkrankung kann Haut, Schleimhäute, Lymphknoten, Augen, Leber, Milz und Nieren, Knochen und Gelenke sowie das Herz und das Nervensystem betreffen. Infolge der Infektion kann es dann zu einem Organversagen oder zu Lebertumoren kommen. Im Februar hat das Robert-Koch-Institut im Rahmen eines epidemiologischen Bulletins die Syphilis-Lage in Deutschland bewertet. Mit einem Anstieg um 23,1% gegenüber dem Vorjahr erreichte die Anzahl der Syphilis-Fälle in Deutschland 2022 demnach einen neuen Höchststand Die seit 2010 zu beobachtende deutliche Zunahme der Fallzahlen setze sich weiter fort. Das hat die AOK Hessen zum Anlass genommen, ihre eigenen Versichertendaten zu hinterfragen und aufzubereiten – mit interessanten Ergebnissen.

Männer häufiger betroffen

Bezogen auf das Jahr 2022 machen die hessischen Zahlen deutlich, wie groß das Stadt-Land-Gefälle in Sachen Syphilis tatsächlich ist. In den Städten Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Frankfurt litten prozentual die meisten AOK-Versicherten an der gefährlichen Infektionskrankheit (siehe Tabelle im PDF-Dokument). Einziger „Ausreißer“ nach oben ist der Rheingau-Taunus-Kreis. Am wenigsten betroffen waren die Versicherten der AOK in den Landkreisen Main-Kinzig, Werra-Meißner und Kassel. Ganz grundsätzlich fällt auf, dass Nord- und Mittelhessen eher etwas geringere Zahlen aufweist als Südhessen. Und: Männer sind überall öfter betroffen als Frauen, zum Teil sogar deutlich.

Zahlen schwer zu interpretieren

„Insgesamt kann man angesichts unserer Zahlen sagen, dass Syphilis eher eine Erkrankung der Städte und Ballungsräume zu sein scheint“, sagt Dr. Beatrix Thorn aus dem Medizinischen Kompetenzcenter der AOK Hessen. „Ein Grund dafür ist sicher die höhere Dichte an ärztlichen Praxen und Kliniken in den Städten. Auch die größere Erfahrung mit dieser Erkrankung, ihrer Diagnose und der entsprechenden Meldepflicht findet sich eher im klinischen Kontext bzw. in Institutsambulanzen. Hinzu kommt eine durchaus präsente Werbung im öffentlichen Raum – Bushaltestellen, Plakatwände, etc. – für die Vermeidung und Früherkennung sexuell übertragbarer Erkrankungen“, sagt Beatrix Thorn. Die Interpretation der Daten stehe aber grundsätzlich unter einem gewissen Vorbehalt. Erstens sei die Dunkelziffer bei einer solchen, eher schambehafteten Erkrankung vermutlich recht hoch. Und zweitens müsse man in Betracht ziehen, dass es 2022 auf Grund von Corona möglicherweise noch eine etwas höhere Kontaktvermeidung gegeben habe.

Keine Entwarnung möglich

Dafür könnte ein Vergleich mit den Daten aus dem Jahr 2015 sprechen. Vor neun Jahren lagen die Syphilis-Zahlen in fast allen Landkreisen und kreisfreien Städten höher als 2022. Einen besonders bemerkenswerten Rückgang gab es im Kreis Offenbach: Von 0,091 Prozent Anteil unter den AOK-Versicherten im Jahr 2015 auf 0,038 im Jahr 2022. In der Stadt Offenbach dagegen stieg der Anteil von 0,054 Prozent auf 0,064 Prozent an. Für Beatrix Thorn bedeuten die Zahlen dennoch keinen Grund zur Entwarnung: „Weltweit und auch in Europa können wir durchaus einen Anstieg der Zahlen bei sexuell übertragbaren Erkrankungen beobachten. Das Robert-Koch-Institut spricht von einem relativ starken Anstieg seit etwa 2010. Möglicherweise wiegen effektive Therapiemöglichkeiten viele Menschen in einer trügerischen Sicherheit und lassen sie leichtsinnig werden.“ Dabei sei, so Thorn, „safer sex“ nach wie vor das Mittel der Wahl, um Infektionen zu vermeiden. Der Schutz sollte sich allerdings nicht nur auf Vaginal-oder Analverkehr beziehen. Auch beim Oralverkehr sei eine Ansteckung mit den meisten sexuell übertragbaren Erkrankungen möglich.

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