Welche Rolle spielen regionale Krankenkassen in einem Gesundheitssystem, das gleichzeitig wirtschaftlicher werden und nah an den Bedürfnissen der Versicherten bleiben muss? Darüber diskutierten Stefan Schwartze, Bundestagsabgeordneter und Patientenbeauftragter der Bundesregierung, Thomas Johannwille, Vorstand der Bertelsmann BKK, und Thomas Sielemann, Vorstand der bkk melitta hmr, bei einem gemeinsamen Austausch.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die aktuelle Diskussion über die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen und mögliche weitere Zusammenschlüsse. Dabei waren sich die Gesprächspartner einig, dass die reine Größe einer Krankenkasse kein ausreichender Maßstab für deren Wirtschaftlichkeit ist.
Schwartze brachte es im Gespräch auf den Punkt: „Es kommt nicht auf die Anzahl der Krankenkassen an, sondern darauf, wie viel Geld je Versicherten für die Verwaltung eingesetzt wird.“ Einsparpotenziale müssten dort gesucht werden, wo tatsächlich unnötige Kosten entstehen.
Regionale Strukturen haben einen Wert
Johannwille und Sielemann warben dafür, bei zukünftigen Strukturdebatten nicht nur auf Größe und Versichertenzahlen zu schauen. Regionale Krankenkassen könnten persönliche Erreichbarkeit mit digitalen und telefonischen Angeboten verbinden und gleichzeitig passgenaue Lösungen gemeinsam mit Ärzten, Kliniken, Unternehmen und weiteren Partnern vor Ort entwickeln. „Unsere Versicherten entscheiden sich bewusst für eine regionale Krankenkasse. Sie erwarten persönliche Ansprechpartner und gleichzeitig moderne digitale Angebote. Diesen Mehrwert müssen wir bei jeder Diskussion über die zukünftige Kassenlandschaft mit berücksichtigen“, betonte Sielemann.
Auch Schwartze hob den Wert dieser Strukturen hervor. Regionale Betriebskrankenkassen seien in der Lage, passgenaue Angebote zu entwickeln. Eine pauschale Zusammenlegung berge dagegen die Gefahr, genau diese Vorteile zu verlieren: „Legen wir alles zusammen, ist dieser Effekt weg.“
Für Johannwille ist deshalb nicht der Erhalt jeder bestehenden Struktur das Ziel. Fusionen könnten sinnvoll und notwendig sein, wenn sie wirtschaftlich oder strategisch geboten seien. „Entscheidend muss die tatsächliche Leistungsfähigkeit einer Krankenkasse sein. Nicht ihre Größe, sondern Wirtschaftlichkeit, gute Versorgung und der konkrete Mehrwert für die Versicherten sollten darüber entscheiden, wie wir die Kassenlandschaft bewerten.“
Handlungsfähige Krankenkassen statt immer neuer Vorgaben
Die Diskussion um Kassenstrukturen wurde auch vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung geführt. Steigende Ausgaben bei Krankenhäusern, Arzneimitteln und weiteren Leistungsbereichen treffen auf begrenzte Einnahmen. Gleichzeitig müssen auch die Krankenkassen selbst ihre Verwaltungs- und Personalkosten begrenzen.
„Wir brauchen weiterhin handlungsfähige Krankenkassen“, machte Schwartze deutlich. Eine dauerhaft kreditfinanzierte Lösung könne die strukturellen Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung nicht lösen. Als konkretes Beispiel diskutierten die Teilnehmer die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldbeziehenden. Die Krankenkassen kritisieren seit Jahren, dass
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die Zahlungen des Bundes die tatsächlichen Ausgaben der GKV für diese Versichertengruppe nicht decken. Krankenkassen haben deshalb den Rechtsweg gegen die Bundesrepublik Deutschland beschritten. Schwartze unterstützte im Gespräch die grundsätzliche Forderung nach einer stärkeren Beteiligung des Staates an diesen Kosten. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben müssten aus Sicht der Gesprächsteilnehmer angemessen aus Steuermitteln finanziert werden und dürften nicht dauerhaft zulasten der Beitragszahlenden gehen.
Mehr Spielraum für regionale Lösungen
Johannwille und Sielemann warben zugleich für weniger Bürokratie und mehr Eigenverantwortung der Krankenkassen. Immer detailliertere gesetzliche Vorgaben und Prüfungen bänden Ressourcen, die an anderer Stelle für Digitalisierung, Service und die Weiterentwicklung der Versorgung benötigt würden.
Welchen Mehrwert regionale Gestaltungsmöglichkeiten bieten können, wurde auch anhand konkreter Versorgungsangebote diskutiert. Kooperationen mit regionalen Ärztenetzen, zusätzliche Präventionsangebote oder neue Ansätze bei der Steuerung von Patientinnen und Patienten können dazu beitragen, Krankheiten früher zu erkennen und unnötige oder doppelte Behandlungen zu vermeiden.
Für die beiden BKK-Vorstände ist deshalb klar: Die notwendige Konsolidierung der gesetzlichen Krankenversicherung und Kassenvielfalt sind kein Widerspruch. „Wirtschaftlichkeit muss der Maßstab sein – nicht die Größe einer Krankenkasse

