Analyse der AOK zeigt: Blankoverordnungen sorgen für Kostenanstieg
Die gesetzlichen Krankenkassen in Hessen haben im Jahr 2024 über 730 Millionen Euro für Heilmittel-Therapien ihrer Versicherten ausgegeben. Damit haben sich die Ausgaben innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt (2015: knapp 362 Millionen Euro). Das macht der heute vorgestellte Heilmittel-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) deutlich. Ein Blick in die aktuelle Ausgaben-Statistik der AOK Hessen zeigt zudem, dass sich dieser Trend mit einer Steigerungsrate von 13,3 Prozent im vergangenen Jahr und von 10,9 Prozent im ersten Quartal 2026 fortsetzt.
Zwei Drittel des Heilmittel-Umsatzes entfielen auf Physiotherapien
Mit über 70 Prozent entfielen im Jahr 2024 mehr als zwei Drittel des Heilmittel-Umsatzes der hessischen GKV auf Physiotherapien. Auch bei den abgerechneten Verordnungen hat die Physiotherapie mit 82,6 Prozent den höchsten Anteil. Sie ist vor allem für ältere Versicherte relevant, während bei den Kindern bis 14 Jahren vorrangig die Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie sowie Ergotherapie abgerechnet werden.
Blankoverordnungen treiben Kosten
Der Bereich der Heilmittel hat im Vergleich zu anderen Leistungsbereichen eine besonders hohe Ausgabendynamik. Zuletzt sorgte die Einführung der Blankoverordnung im Jahr 2024 für einen Anstieg der Kosten bei bestimmten Indikationen. Sie kann für bestimmte Diagnosen im Bereich der Ergotherapie und für die Physiotherapie bei Erkrankungen im Bereich des Schultergelenks ausgestellt werden. Nach der ärztlichen Diagnose können die Therapeutinnen und Therapeuten dann eigenverantwortlich über das Heilmittel, die Behandlungsfrequenz und die Menge der Behandlungen entscheiden.
Jede zweite Verordnung erfolgt blanko
Für den Heilmittel-Report sind die aktuellen Daten zu den Blankoverordnungen im Bereich der Physiotherapie näher analysiert worden. Demnach machten die Blankoverordnungen im vergangenen Jahr in Hessen zwar nur 2,6 Prozent aller Physiotherapie-Verordnungen mit einem Umsatzanteil von 5,9 Prozent aus. Im vierten Quartal 2025 ist aber bereits jede zweite Physiotherapie-Verordnung im Diagnosebereich der Schulterbeschwerden als Blankoverordnung ausgestellt worden.
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