Kurzfristig sparen, dann strukturell reformieren
- BARMER-Verwaltungsrat kritisiert aktuelle populistische Diskussionen über Leistungskürzungen zur Rettung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Statt Patientinnen und Patienten zusätzlich zu belasten, müssen in einem ersten Schritt alle Leistungserbringer ihren Beitrag zur Konsolidierung der GKV-Finanzen leisten.
- Milliardenschwere versicherungsfremde Leistungen gehören gesamtgesellschaftlich auskömmlich finanziert. Die finanzielle Überforderung der Beitragszahlenden muss ein Ende haben.
- Mittel- bis langfristig können nur tiefgreifende Strukturreformen gemeinsam mit einer fairen Gesamtfinanzierung durch Kassen und Bund zum Erhalt einer stabilen, leistungsfähigen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung beitragen.
- Krisch: „Um die finanzielle Stabilität der GKV kurzfristig zu sichern, erwarten wir einen spürbaren Sparbeitrag aller Leistungserbringer. Die GKV leidet nicht unter zu geringen Einnahmen, sondern unter chronischen Ausgabensteigerungen.“
Berlin, 18. März 2026 – Angesichts der bevorstehenden Vorstellung des ersten Berichts der FinanzKommission Gesundheit zur kurzfristigen Konsolidierung der GKV-Finanzen fordert der BARMER-Verwaltungsrat ein zeitnah wirkendes Sparpaket, das alle Leistungserbringer betrifft. „Die gesetzliche Krankenversicherung leidet nicht unter zu geringen Einnahmen, sondern unter chronischen Ausgabensteigerungen. Populistische Debatten über höhere Zuzahlungen oder Leistungskürzungen zulasten der Versicherten gehen klar am Kernproblem vorbei. Wir brauchen als erstes einen spürbaren Sparbeitrag der Leistungserbringer, um die davongaloppierenden Ausgaben kurzfristig in den Griff zu kriegen. Im Laufe des Jahres müssen dann Vorschläge für tiefgreifende Strukturreformen diskutiert werden“, erklärt Sylvi Krisch, Vorsitzende des BARMER-Verwaltungsrats.
Strukturreformen für die GKV
Um die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung dauerhaft zu sichern seien tiefgreifende Veränderungen im Gesundheitswesen nötig, um Ausgaben und Einnahmen auf lange Sicht wieder in ein Gleichgewicht zu bringen und zugleich die Versorgungsqualität zu verbessern, betont Krisch. Seit vielen Jahre hinweg stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung fast doppelt so stark wie die Einnahmen – ohne dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland qualitativ besser sei als in vergleichbaren Industrienationen. „Reformen in allen Leistungsbereichen für mehr Effizienz sind das eine. Sie müssen aber dringend mit einem spürbaren Qualitätssprung in der medizinischen Versorgung einhergehen“, so Krisch.
Faire Finanzierung versicherungsfremder Leistungen
Neben mehr Effizienz und Qualität brauche es einen fairen und verlässlichen finanziellen Ausgleich für die milliardenschweren versicherungsfremden Leistungen, die bislang überproportional von den Beitragszahlenden getragen würden. Dazu zählt unter anderem die Finanzierung der Krankenversicherung für Bürgergeldempfangende, für die die GKV sachfremd rund zehn Milliarden Euro pro Jahr aufwenden muss, weil der Finanzierungsanteil des Bundes nur rund ein Drittel der Gesamtausgaben deckt. „Diese Aufgaben müssen in Zukunft ausnahmslos gesamtgesellschaftlich geschultert werden“, fordert Krisch.
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