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BARMER-Arzneimittelreport 2026Kostenanstieg bei Therapie von Volkskrankheiten

Kernergebnisse des Reports

  • Die medikamentöse Behandlung der Volkskrankheiten Herzinsuffizienz und Asthma bronchiale hat in den letzten zehn Jahren zu erheblichen Ausgabensteigerungen geführt.
  • Zwischen den Jahren 2014 und 2024 sind die Gesamtausgaben der BARMER für die medikamentöse Behandlung von Herzinsuffizienz um 121 Prozent auf 441 Millionen Euro gestiegen, bei Asthma bronchiale um 80 Prozent auf 516 Millionen Euro.
  • Vor allem die Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel zur Behandlung von Herzinsuffizienz sind innerhalb dieser Dekade um 183 Prozent überproportional stark angestiegen. Bei Generika waren es 22 Prozent.
  • BARMER-Chef Straub: „Die Arzneimittelausgaben wachsen schneller als die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. Daher brauchen wir eine wirksame Weiterentwicklung der etablierten Nutzenbewertung und der damit verbundenen Preisfestsetzung mit dem Ziel einer angemessenen Ausgabenkontrolle. Ziel muss die Sicherstellung einer nachhaltig finanzierbaren Versorgung mit innovativen Arzneimitteln sein.“ 

Berlin, 23. September 2026 – Patentgeschützte Arzneimittel für die Behandlungen von Volkskrankheiten lassen die Arzneimittelkosten deutlich ansteigen. Das geht aus dem aktuellen Arzneimittelreport der BARMER hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Demnach sind die Gesamtausgaben der BARMER für die medikamentöse Behandlung von Herzinsuffizienz zwischen den Jahren 2014 und 2024 um 121 Prozent auf 441 Millionen Euro und von Asthma bronchiale um 80 Prozent auf 516 Millionen Euro angewachsen. „Die Arzneimittelausgaben wachsen schneller als die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch künftig benötigen wir eine bedarfsgerechte Arzneimitteltherapie. Aber eben auch geeignete Maßnahmen, um einen überproportionalen Kostenanstieg zu stoppen. Wir brauchen eine Weiterentwicklung des AMNOG-Verfahrens mit dem Ziel einer für alle Beteiligten angemessenen Ausgabenkontrolle“, sagte der Vorstandsvorsitzende der BARMER, Prof. Dr. med. Christoph Straub.

AMNOG weiterentwickeln und Prävention stärken

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Der Preisanstieg bei der Behandlung von Volkskrankheiten geht in erster Linie auf die Arzneimittelpreise zurück und weniger auf einen Zuwachs von Erkrankten. Im Untersuchungszeitraum sei die Anzahl der behandelten Patienten bei Herzinsuffizienz um lediglich 14 und bei Asthma bronchiale um drei Prozent gestiegen. Die Preise neuer Arzneimittel müssten folglich neben dem Nutzenzuwachs auch die Ausgabenwirkung noch konkreter berücksichtigen, so Straub weiter. Hier seien das Verfahren zur Bewertung neuer Präparate und das damit verbundene System der Preisfindung des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes, kurz AMNOG, entsprechend weiterzuentwickeln. Darüber hinaus sei es höchste Zeit für eine Weiterentwicklung der nationalen Präventionsstrategie, um insbesondere Volkskrankheiten frühzeitig zu begegnen. Im Optimalfall würden Arzneimittel damit erst gar nicht erforderlich sein.

Patentgeschützte Arzneimittel als Kostentreiber

Vor allem die Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel seien die wesentlichen Kostentreiber, betonte Reportautor Prof. Dr. med. Daniel Grandt. Bei Herzinsuffizienz seien diese pro Person im Durchschnitt von 512 Euro im Jahr 2014 auf 1.451 Euro im Jahr 2024 angestiegen. Das entspreche einem Plus von 183 Prozent. Bei den Generika seien es im selben Zeitraum 22 Prozent gewesen. Ein ähnliches Bild zeige sich bei den Arzneimitteln für Asthma bronchiale. Hier seien die Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel um 106 Prozent auf 769 Euro gestiegen. Bei den Generika war ein Anstieg der Kosten um 38 Prozent zu verzeichnen. Vor allem neu eingeführte Biologika seien ein Treiber der Kosten.

Einnahmen decken die Ausgaben nicht

Den Reportergebnissen zufolge entstand bei den Arzneimittelkosten für die Volkskrankheiten Herzinsuffizienz und Asthma bronchiale ein Delta zwischen den Einnahmen der Krankenkasse und den tatsächlichen Kosten. Bei Asthma bronchiale sind 65,5 Millionen Euro beziehungsweise 13 Prozent der Kosten nicht gedeckt. Bei Herzinsuffizienz sind 127,7 Millionen Euro beziehungsweise 29 Prozent der realen Kosten nicht gedeckt. „Wir brauchen daher eine Weiterentwicklung des AMNOG und der damit verbundenen Preisfindung für neue Arzneimittel, um bereits mit der Zulassung zu fairen, den therapeutischen Gewinn und den Budget Impact berücksichtigenden Erstattungspreisen zu kommen und die Finanzierung des therapeutischen Fortschritts auch zukünftig zu ermöglichen“, so Grandt. 

Q&A

Was ist Herzinsuffizienz? 
Bei Herzinsuffizienz, auch als Herzschwäche, Herzmuskelschwäche oder Myokardinsuffizienz bezeichnet, ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Typische Symptome sind Atemnot, verminderte körperliche Belastbarkeit, Müdigkeit und Flüssigkeitseinlagerungen.

Was genau ist Asthma?
Asthma bronchiale, kurz Asthma, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die durch eine variable und reversible Verengung der Bronchien gekennzeichnet ist. Typische Symptome sind anfallsartige Atemnot, Husten, pfeifende Atmung und ein Engegefühl in der Brust. Die Beschwerden können durch unterschiedliche Reize ausgelöst oder verstärkt werden.

Was sind Volkskrankheiten?
Volkskrankheiten sind Erkrankungen, die in der Bevölkerung sehr häufig auftreten, einen großen Teil von ihr betreffen und aufgrund ihrer hohen Verbreitung eine erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Bedeutung haben. Dazu zählen beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und chronische Atemwegserkrankungen.

Wie stark sind die GKV-Einnahmen im Zeitraum von 2014 bis 2024 gestiegen, und wie haben sich die Arzneimittelausgaben entwickelt?
Lagen die Einnahmen der GKV nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit im Jahr 2014 bei 204,1 Milliarden Euro, so waren es im Jahr 2024 bereits 320,6 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Zunahme von 57 Prozent. Die Arzneimittelausgaben der GKV stiegen hingegen von 33,4 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf 55,2 Milliarden Euro im Jahr 2024, was einen Anstieg von rund 65 Prozent bedeutet.

Wie könnte man das AMNOG sinnvoll weiterentwickeln?
Das AMNOG-Verfahren hat sich grundsätzlich bewährt, es sollte aber noch konsequenter an Evidenz, Preis und tatsächlichem Versorgungsnutzen ausgerichtet werden. Bei neuen Arzneimitteln mit unsicherer Datenlage sollten nach der Zulassung schneller und regelhaft zusätzliche Daten erhoben und bei hochpreisigen Therapien stärker in die Preis- und Erstattungsentscheidungen einbezogen werden. Auch die Sonderregelungen für Orphan Drugs sollten weiterentwickelt werden. Ziel sollte sein, Innovationen weiterhin schnell verfügbar zu machen und gleichzeitig eine faire, evidenzbasierte und wirtschaftliche Preisgestaltung sicherzustellen.

Wie wurden die Daten erhoben und ausgewertet?  
Die Analyse basiert auf den anonymen Abrechnungsdaten von BARMER-Versicherten. Für die Jahre von 2014 bis 2024 konnten bei der Analyse rund zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland berücksichtigt werden.

Diese PM, den BARMER-Arzneimittelreport 2026 sowie Grafiken zum Download finden Sie auch im Presseportal unter www.barmer.de/p030868.

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