Grippe-Impfquote bei über 60-Jährigen viel zu gering
Kernergebnisse der BARMER-Auswertung
- Deutschland bleibt nach wie vor hinter den Zielen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Grippeimpfung zurück. Sechs von zehn der ab 60-Jährigen sind im Jahr 2023 nicht gegen Grippe geimpft worden.
- Mit 29,7 Prozent haben die Einwohner Baden-Württembergs die niedrigste Influenza-Impfquote in Deutschland.
- Mehr als die Hälfte der besonders durch Influenza gefährdeten Patienten in stationärer Pflege oder nach Herzinfarkt wurden im Jahr 2023 nicht gegen Influenza geimpft.
- Die Einführung der Möglichkeit zur Influenzaimpfung in Apotheken hat keinen relevanten Effekt auf die Impfquote gezeigt. Die erreichte Impfquote von 40,8 Prozent ist nur zu 0,5 Prozent durch Impfung in Apotheken und zu 99,5 Prozent durch Impfung in Arztpraxen erzielt worden.
Berlin, 18. Februar 2026 – Die Influenza-Impfquoten in Deutschland bleiben deutlich hinter den internationalen Zielen zurück. Selbst besonders gefährdete Gruppen werden nicht ausreichend erreicht. Dies geht aus dem Arzneimittelreport der BARMER hervor. Demnach wurden im Jahr 2023 nur 40,8 Prozent der BARMER-Versicherten ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft und damit weniger als in den Jahren 2020 bis 2022. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Quote von 75 Prozent. Besonders gefährlich ist die Influenza für Patienten in stationärer Pflege und nach Herzinfarkt. Mehr als die Hälfte dieser Versicherten wurde im Jahr 2023 jedoch nicht gegen Influenza geimpft. „Gerade bei den vulnerablen Gruppen ist eine Influenzaimpfung wichtig. Studien belegen, dass Herzpatienten nach einer Impfung unter anderem deutlich bessere Überlebenschancen haben. Dennoch werden die bestehenden Empfehlungen unzureichend umgesetzt“, sagt Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER.
Hausärztinnen und Hausärzte in besonderer Verantwortung
„Die Daten zur Schutzwirkung bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen sind so überzeugend, dass im Jahr 2025 die European Society of Cardiology die Impfung zur vierten Säule der kardiovaskulären Prävention erklärt hat. „Die unzureichenden Impfquoten dieser Risikopatienten zeigen, dass dieser Erkenntnisfortschritt noch nicht in der Behandlungsrealität angekommen ist. Hier sind Hausärzte gefordert, dies zu erläutern und umzusetzen“, ergänzt Prof. Dr. med. Daniel Grandt, der Autor des Arzneimittelreports.
Apothekenimpfung spielt untergeordnete Rolle
Dass Apotheken seit dem Jahr 2022 ebenfalls gegen Influenza impfen dürften, habe bislang an dem strukturellen Problem nichts geändert. Die erreichte Impfquote von 40,8 Prozent sei nur zu 0,5 Prozent durch Impfung in Apotheken und zu 99,5 Prozent durch Impfung in Arztpraxen erzielt worden. So attraktiv das Angebot der Grippeimpfung in der Apotheke für einzelne Versicherte sein möge, das Problem der dramatisch zu niedrigen Impfquoten löse es nicht, so BARMER-Chef Straub.
Zu wenige Pflegebedürftige gegen Grippe geimpft
Wie aus dem BARMER-Report weiter hervorgeht, wird das WHO-Ziel einer Influenza-Impfquote von 75 Prozent auch bei Pflegebedürftigen ab 60 Jahren deutlich verfehlt. Von den Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen waren zuletzt 48,9 Prozent geimpft und bei den häuslich Pflegebedürftigen 45,6 Prozent. Ambulant und stationär Pflegebedürftige ab 70 Jahren wurden sogar seltener gegen Influenza geimpft als Versicherte in dieser Altersgruppe ohne Pflegeleistungen. „Bei der Grippeschutzimpfung besteht dringender Optimierungsbedarf, um gerade die besonders gefährdeten Personen gemäß dem Stand der medizinischen Erkenntnis vor vermeidbaren Risiken zu schützen“, erklärt Reportautor Grandt.
Q&A
Wie hoch ist die aktuelle Impfquote?
Im Jahr 2023 waren nur 40,8 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft. Damit wird das von der WHO empfohlene Ziel von 75 Prozent klar verfehlt.
Welche Altersgruppen sind besonders betroffen?
Bei den 60- bis 69-Jährigen lag die Impfquote lediglich bei 29,8 Prozent. Erst ab 80 Jahren wird mit gut 52 Prozent knapp die Hälfte erreicht.
Welche Effekte hat eine Influenza-Impfung bei Herzkranken?
Die Impfung wird von internationalen Leitlinien als Maßnahme zur Sekundärprävention bei koronarer Herzerkrankung insbesondere nach Myokardinfarkt empfohlen, da sie das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse, kardiovaskulären Tod und Gesamtmortalität senkt. Insbesondere bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) verringert die Impfung das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um etwa 30 bis 40 Prozent.
Wie sind die Influenza-Impfquoten in einzelnen Bundesländern?
Hier gibt es spürbare regionale Unterschiede. Im Personenkreis ab 60 Jahren reichten die Impfquoten im Jahr 2023 von 29,7 Prozent in Baden-Württemberg und 30,0 Prozent in Bayern bis hin zu 55,2 Prozent in Sachsen-Anhalt.
Wie wurden die Daten erhoben und ausgewertet?
Der Arzneimittelreport beruht auf Datenanalysen von Dr. Veronika Lappe, PMV forschungsgruppe Uniklinik Köln. Er basiert auf anonymisierten Abrechnungsdaten der BARMER aus den Jahren 2017 bis 2023. Berücksichtigt wurden bei der BARMER-versicherte Erwachsene mit dokumentierter Influenzaimpfung in der ambulanten ärztlichen Versorgung sowie in Apotheken. Die Impfquoten wurden nach Alter, Geschlecht, Bundesland und Pflegebedarf ausgewertet.
Diese PM und die dazugehörigen Grafiken finden Sie auch im Presseportal unter www.barmer.de/p030343
Das ePaper zum BARMER-Arzneimittelreport können Sie hier einsehen: http://www.barmer.de/p030353
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