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BARMER erweitert Versorgungskompass

Millionen Krankenhausfälle potenziell vermeidbar

Kernergebnisse

  • Jeder fünfte vollstationäre Krankenhausfall wäre im Jahr 2025 in Deutschland auch ambulant behandelbar gewesen. Das sind knapp 3,5 Millionen. Im Jahr 2019 lag der Anteil bei 24 Prozent oder gut 4,5 Millionen Fällen.
  • Mit ihrem erweiterten Versorgungskompass bietet die BARMER erstmals einen umfassenden Überblick über vermeidbare Krankenhausfälle seit Erweiterung des Katalogs für ambulante Operationen und Einführung von sektorenübergreifenden Abrechnungs-Fallpauschalen. Der Kompass reicht bis auf Kreisebene im Jahresverlauf.
  • BARMER-Vorstandsvorsitzender Straub: „Obwohl die Förderung der Ambulantisierung erste Effekte zeigt, werden immer noch Millionen von Patienten unnötig stationär behandelt. Es muss deutlich mehr getan werden, um das verbleibende Ambulantisierungspotenzial zu heben.“

Berlin, 15. September 2026 – In Deutschland werden immer noch Millionen von Patientinnen und Patienten unnötigerweise stationär im Krankenhaus behandelt. Allein im Jahr 2025 wäre jeder fünfte vollstationäre Krankenhausfall grundsätzlich ambulant behandelbar gewesen. Das sind knapp 3,5 Millionen Behandlungen. Im Jahr 2019 lag der Anteil bei 24 Prozent oder gut 4,5 Millionen Fällen. Das geht aus dem erweiterten Versorgungskompass der BARMER hervor. „Der Gesetzgeber hat zwar einiges getan, um das Prinzip ‚ambulant vor stationär‘ zu stärken. Der bisherige Effekt reicht aber noch nicht aus. Es muss deutlich mehr getan werden, um das verbleibende Ambulantisierungspotenzial zu heben“, sagt der Vorstandsvorsitzende der BARMER, Prof. Dr. med. Christoph Straub.

Versorgungskompass mit Daten bis auf Kreisebene

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Der erweiterte Versorgungskompass listet erstmals im Jahresverlauf einen umfassenden Überblick über vermeidbare Krankenhausfälle bis auf Kreisebene und berücksichtigt dabei neue Abrechnungsmöglichkeiten für Eingriffe. Die in interaktiven Grafiken abrufbaren Daten reichen bis zum Jahr 2025. „Der Versorgungskompass zeigt detaillierter denn je, wie stark das Ambulantisierungspotenzial in Deutschland ist. Damit ist er eine wertvolle Datengrundlage, um die Vermeidung weiterer stationärer Krankenhausfälle entschieden voranzutreiben“, sagt BARMER-Chef Straub.

Großes Ambulantisierungspotenzial in allen Bundesländern  

Wie aus dem Versorgungskompass weiter hervorgeht, gibt es in sämtlichen Bundesländern ein erhebliches Ambulantisierungspotenzial. Der Anteil der Fälle, die im vergangenen Jahr auch ambulant hätten versorgt werden können, reicht von 17,8 Prozent in Bremen bis hin zu 21,9 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. „Aus medizinischer Sicht ist das Potenzial ambulanter Operationen in allen Regionen Deutschlands noch längst nicht ausgeschöpft. Deshalb sollten weitere geeignete Eingriffe in den Abrechnungskatalog für ambulantes Operieren aufgenommen und die sektorengleiche Vergütung weiterentwickelt werden“, so BARMER-Chef Straub.   

Q&A

Was sind ambulantisierbare Krankenhausfälle?
Ambulantisierbare Krankenhausfälle sind Behandlungen oder Eingriffe, die traditionell stationär im Krankenhaus durchgeführt wurden. Sie können jedoch ohne Qualitätsverlust ambulant erbracht werden, sofern weder medizinische noch patientenbezogene Faktoren, etwa Gebrechlichkeit, einer ambulanten Versorgung entgegenstehen. Beispiele sind bestimmte Operationen wie Katarakt-Eingriffe, Arthroskopien oder kleinere chirurgische Eingriffe.

Gibt es noch weitere potenziell vermeidbare Krankenhausfälle?
Ja, und zwar bei sogenannten ambulant-sensitiven Krankenhausfällen, kurz ASK. Diese wären grundsätzlich durch mehr Prävention und eine effektivere ambulante Versorgung im Vorfeld vermeidbar gewesen. Im Jahr 2025 gab es laut Versorgungskompass 4,67 Millionen ambulant-sensitiver Krankenhausfälle. Dabei ist die Fallzahl von rund fünf Millionen im Jahr 2019 während der Corona-Pandemie auf knapp vier Millionen im Jahr 2021 gesunken und daraufhin wieder angestiegen. Der Rückgang der ASK während der Corona-Pandemie war demnach nicht nachhaltig.

Was sind ambulant-sensitive Krankenhausfälle?
Hierbei handelt es sich um Fälle, die durch eine rechtzeitige und bessere medizinische Versorgung in einer Arztpraxis oder im Heim hätten vermieden werden können. Klassische Beispiele hierfür sind stationäre Aufnahmen wegen chronischer Leiden wie Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, schwerer Bluthochdruck oder Asthma. Auch bei akuten Problemen wie Zahnentzündungen oder einfachen Harnwegsinfekten wäre ein Krankenhausaufenthalt bei rechtzeitiger Behandlung in der Regel vermeidbar.

Gibt es bei den ambulant-sensitiven Krankenhausfällen regionale Unterschiede?
Hier sind die Unterschiede deutlich größer als bei dem Ambulantisierungspotential. Bezogen auf das Jahr reichen sie von 4.123 Fällen je 100.000 Personen in Baden-Württemberg bis hin zu 7.010 Fällen in Thüringen. Besonders groß ist die Spanne mit Blick auf die Kreise und kreisfreien Städte. Im Jahr 2025 reichte sie von 3.358 Fällen je 100.000 Personen in Heidelberg bis hin zu 9.877 Fällen in Pirmasens.

Welche Besonderheit hat der Versorgungskompass?
Er listet vermeidbare Krankenhausfälle im Jahresverlauf auf und bezieht die jüngsten Veränderungen des Vertrags für ambulantes Operieren mit ein. Der AOP-Katalog wurde in den vergangenen Jahren sukzessive um Eingriffe erweitert, die ambulant erbracht werden und über diesen abgerechnet werden können. Zudem ist die Einführung von Hybrid-DRG im Jahr 2024 als neue Abrechnungsoptionen mit in den Kompass eingeflossen. Diese Fallpauschalen werden für bestimmte Operationen unabhängig davon gezahlt, ob diese ambulant oder stationär durchgeführt werden.

Was ist die Datengrundlage zum Ambulantisierungspotenzial und den ambulant-sensitiven Krankenhausfällen?
Es handelt sich jeweils um BARMER-Daten. Sie sind hochgerechnet basierend auf Angaben des Statistischen Bundesamtes zur Bevölkerung in Kreisen und kreisfreien Städten nach Geschlecht und Altersgruppen im jeweiligen Jahr.

Den Versorgungskompass finden Sie hier: Ambulantisierungspotential in Deutschland

Diese PM und die dazugehörigen Grafiken finden Sie im Presseportal unter www.barmer.de/p030787.

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